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Sonnensystem
Wurde am äußersten Rand des Sonnensystems tatsächlich ein neuer Planet entdeckt?

13. Dezember 2015

Vor wenigen Tagen hat eine Gruppe von Astronomen unter Federführung von René Liseau, die mit dem Atacama Large Millimeter / submillimeter Array (ALMA) arbeiten, ohne viel Öffentlichkeitsarbeit einen Artikel auf den Preprintserver Arxiv.org geladen, der - sollten sie Recht behalten - es in sich hat [1]. Berichten sie darin doch von einem Objekt, das entweder eine bislang übersehene Komponente des Alpha Centauri Systems sein könnte - provisorisch als "Alpha Centauri D" benannt - oder ein Brauner Zwerg oder ein größerer Planet im äußersten Bereich des Sonnensystems. Es könnte sich auch um einen größeren Eiskörper jenseits der Umlaufbahn des Neptun handeln. Aufgenommen wurde das Objekt zweimal in der Nähe des Alpha Centauri-Doppelsterns. Leider ist dies auch schon die konkreteste Information, die der Leser dem Artikel entnehmen kann. Allerdings griffen viele Nachrichtenseiten die Meldung auf und sie wird seitdem intensiv diskutiert [2] [3].

Ein Blick auf die Fakten dämpft jedoch die Aufregung über einen bisher unbekannten Planeten oder gar einen Braunen im Sonnensystem. Der wichtigste Punkt zuerst: Der Artikel wurde zwar bei der Zeitschrift Astronomy and Astrophysics eingereicht und in der Vorabversion auf Arxiv.org hinterlegt, aber noch nicht wissenschaftlich begutachtet. Über die Qualität der wissenschaftlichen Argumentation und die Annahme des Artikels zur Veröffentlichung ist somit noch nicht entschieden. Bis auf weiteres bleibt der Artikel eine Vorabversion der Autoren.

Die Autoren schreiben, sie hätten in der Nähe von Alpha Centauri ein sehr leuchtschwaches Objekt gesichtet, das sich mit einer solch hohen Eigengeschwindigkeit bewegt, dass ein Hintergrundstern ausgeschlossen werden könne. Die Aufspürung von Himmelskörpern im näheren Umfeld von Sternen ist generell schwierig und der Alpha Centauri-Doppelstern ist eine sehr helle Lichtquelle am Himmel. Allerdings ist das ALMA-Observatorium dafür ausgelegt, in Wellenlängenbereichen zu arbeiten, in denen die Überstrahlung durch den Stern stark verringert wird. So gesehen könnten die Forscher vielleicht doch Recht haben.

Allerdings wurde das Objekt bisher nur zweimal im Abstand von 10 Monaten aufgenommen. Relativ zu Alpha Centauri ist eine Positionsveränderung auszumachen. Zwischen zwei isolierten Punkten lässt sich aber immer eine gerade Linie ziehen. Überzeugend wäre mindestens eine dritte Aufnahme, auf der sich das Objekt entsprechend dem zunächst berechneten Kurs und seiner angenommenen Geschwindigkeit weiterbewegt hat. Eine solche wurde jedoch bisher nicht gezeigt.

Aus diesen wenigen Daten ergibt sich das größte Problem des Artikels: Die Autoren wissen nicht, wie weit das Objekt von der Erde entfernt ist und können somit nichts Konkretes über seine Natur aussagen. Der gesehene Lichtpunkt könnte ein Stern des Spektraltyps M2 sein, der zum Alpha Centauri System gehört oder ein deutlich schwächerer Stern in viel geringerer Entfernung. Es könnte sich sogar um einen nur im Wärmebereich leuchtenden und deutlich kleineren Körper in nur 0,1 Parsec Entfernung handeln. Als dritte Möglichkeit kommt sogar ein Eiskörper in den äußeren Regionen des Sonnensystems in Betracht.

Eine weitere Möglichkeit räumen die Autoren zwischen den Zeilen sogar selbst ein. Ein planetengroßer, aber im Infrarotbereich leuchtender Körper hätte eigentlich in früheren Suchprogrammen derselben Himmelsregion registriert werden müssen. Im allerungünstigsten Fall könnte es sich bei diesem sehr leuchtschwachen Objekt auch um ein Artefakt handeln, welches im sehr komplizierten Aufbau des ALMA-Teleskops selbst entstanden ist.

Bis zur Klärung dieser Fragen ist der Bericht mit Vorsicht zu genießen. Es verspricht aber eine interessante wissenschaftliche Diskussion zu werden.

Quellen:





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